Eksamen: PSP5842 | Semester: Vår 2024 | Varighet: 5 timer
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Sehr geehrte Damen und Herren,
ich möchte mich über den mangelhaften Service auf der Strecke Hamburg–Berlin am 14. April beschweren. Der ICE 579 hatte eine Verspätung von über zwei Stunden, ohne dass den Reisenden eine angemessene Erklärung oder Verpflegung angeboten wurde.
Besonders ärgerlich war die widersprüchliche Informationspolitik: Während die Durchsagen von „technischen Problemen" sprachen, verwies die App auf „Personalmangel". Dieses Kommunikationschaos ist eines Unternehmens, das Pünktlichkeit als Kernwert propagiert, unwürdig.
Gemäß der EU-Fahrgastrechteverordnung beantrage ich eine Entschädigung in Höhe von 50 % des Fahrpreises sowie eine schriftliche Stellungnahme zu den Ursachen der Verspätung.
Mit freundlichen Grüßen
Marte Kristiansen
Die rasante Entwicklung künstlicher Intelligenz stellt die Arbeitswelt vor einen fundamentalen Wandel. Während Optimisten von einer Befreiung des Menschen von monotoner Arbeit sprechen, befürchten Skeptiker eine Massenarbeitslosigkeit historischen Ausmaßes.
Text 1 verweist auf Studien, wonach bis zu 40 % der heutigen Arbeitsplätze in den nächsten zwei Jahrzehnten von KI-Systemen ersetzt werden könnten. Betroffen wären nicht nur manuelle Tätigkeiten, sondern zunehmend auch kognitive Berufe: Übersetzer, Journalisten, sogar Juristen.
Demgegenüber argumentiert Text 2, dass technologischer Fortschritt historisch stets mehr Arbeitsplätze geschaffen als vernichtet habe. Die Industrialisierung habe Millionen von Landarbeitern zu Fabrikarbeitern gemacht – und langfristig den Wohlstand erhöht.
Dieser historische Vergleich greift jedoch zu kurz. Die Geschwindigkeit des gegenwärtigen Wandels ist beispiellos, und die Fähigkeit der Bildungssysteme, Menschen für neue Berufe zu qualifizieren, hinkt der technologischen Entwicklung hinterher.
Entscheidend wird sein, ob es gelingt, den Produktivitätsgewinn durch KI gerecht zu verteilen – statt ihn wenigen Technologiekonzernen zu überlassen. Eine Zukunft ohne Arbeit ist vorstellbar; eine Zukunft ohne Sinn ist es nicht.
„Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt", schrieb Ludwig Wittgenstein. Dieser Satz gilt im deutschsprachigen Raum in besonderer Weise, denn kaum eine Sprache ist so reich an Dialekten, Varietäten und kulturellen Schattierungen wie das Deutsche.
Von Hochdeutsch über Schweizerdeutsch bis zum Österreichischen erstreckt sich ein Spektrum, das weit mehr als regionale Färbung darstellt. Sprache ist Identität. Ein Bayer, der Hochdeutsch spricht, tut dies oft mit dem leisen Gefühl, eine Maske zu tragen. Ein Schweizer, dem man sein Schweizerdeutsch abspricht, empfindet dies als Angriff auf seine kulturelle Eigenständigkeit.
Diese sprachliche Vielfalt steht heute unter Druck. Die Globalisierung und die Dominanz des Englischen führen zu einer schleichenden Erosion der deutschen Sprache, besonders in Wissenschaft und Wirtschaft. Deutsche Universitäten bieten zunehmend Studiengänge auf Englisch an, und in internationalen Unternehmen ist Deutsch oft nur noch die Sprache der Kaffeepause.
Gleichzeitig verändert die Migration das sprachliche Gefüge. Kiezdeutsch – die Umgangssprache multikultureller Stadtviertel – wird von manchen als Bereicherung, von anderen als Verfall betrachtet. Die Sprachwissenschaft ist sich einig: Es handelt sich um eine kreative Sprachentwicklung, nicht um Sprachverfall.
Als norwegische Deutschlernende fasziniert mich diese Vielfalt. In Norwegen kennen wir eine ähnliche Debatte: Bokmål und Nynorsk existieren nebeneinander, und die Frage, welches Norwegisch das „richtige" sei, wird mit erstaunlicher Leidenschaft geführt.
Vielleicht liegt die Antwort in beiden Fällen darin, Vielfalt nicht als Bedrohung, sondern als Reichtum zu begreifen. Eine Sprache, die sich nicht verändert, ist eine tote Sprache.
Es gibt wenige Alltagsrituale, die so viel über eine Kultur verraten wie die Art, wie man Kaffee trinkt. In Wien ist das Kaffeehaus seit dem 19. Jahrhundert ein Ort der intellektuellen Begegnung: Hier saßen Freud, Schnitzler und Trotski nebeneinander, lasen Zeitungen und debattierten über die Zukunft Europas. Der Wiener Kaffee ist kein Getränk – er ist eine Weltanschauung.
In Deutschland hingegen hat sich die Kaffeekultur lange auf den „Filterkaffee am Nachmittag" beschränkt: „Kaffee und Kuchen" als bürgerliches Ritual, pünktlich und vorhersehbar. Erst mit der Ankunft italienischer Espressobars und amerikanischer Coffee-Shops begann sich diese Tradition zu wandeln.
Was dabei oft übersehen wird: Hinter jeder Tasse Kaffee steckt eine globale Lieferkette, die von eklatanten Ungerechtigkeiten geprägt ist. Die Bauern in Äthiopien, Kolumbien oder Vietnam, die den Kaffee anbauen, erhalten nur einen Bruchteil des Preises, den wir in europäischen Cafés bezahlen.
Fair-Trade-Initiativen versuchen, diese Asymmetrie zu korrigieren, doch ihre Wirkung bleibt begrenzt, solange die strukturellen Machtverhältnisse im Welthandel unangetastet bleiben.
Vielleicht sollten wir bei der nächsten Tasse Kaffee einen Moment innehalten – nicht nur, um den Geschmack zu genießen, sondern um darüber nachzudenken, wessen Arbeit in diesem Genuss steckt.