Eksamen: PSP5842 | Semester: Vår 2025 | Varighet: 5 timer
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Sehr geehrte Redaktion,
mit großem Interesse habe ich Ihren Artikel über die aktuellen Klimaschutzmaßnahmen in Deutschland gelesen. Obwohl die Bundesregierung ambitionierte Ziele formuliert hat, klafft zwischen Anspruch und Wirklichkeit eine beunruhigende Lücke.
Einerseits wurde der Kohleausstieg beschlossen und der Ausbau erneuerbarer Energien vorangetrieben. Andererseits zeigt der jüngste Bericht des Umweltbundesamtes, dass Deutschland seine selbstgesteckten Klimaziele wiederholt verfehlt hat.
Es reicht nicht aus, Ziele zu formulieren – entscheidend ist deren konsequente Umsetzung. Dazu gehören ein beschleunigter Ausbau der Windenergie, eine Reform des Verkehrssektors und vor allem der politische Mut, kurzfristige wirtschaftliche Interessen dem langfristigen Gemeinwohl unterzuordnen.
Mit freundlichen Grüßen
Erik Haugen
Die Digitalisierung hat das demokratische Zusammenleben grundlegend verändert. Einerseits ermöglichen soziale Medien eine beispiellose Partizipation: Bürgerinnen und Bürger können sich unmittelbar an politischen Debatten beteiligen und Missstände öffentlich machen. Andererseits birgt diese Entwicklung erhebliche Gefahren für die Demokratie.
Wie der Autor in Text 1 hervorhebt, haben Algorithmen die Macht, unsere Informationsblase zu formen und damit unsere politische Wahrnehmung zu verzerren. Die zunehmende Verbreitung von Desinformation untergräbt das Vertrauen in demokratische Institutionen und erschwert einen sachlichen öffentlichen Diskurs.
Text 2 weist darauf hin, dass autoritäre Regierungen digitale Technologien gezielt zur Überwachung und Unterdrückung einsetzen. Deutschland steht hier vor der Herausforderung, Innovation zu fördern und gleichzeitig die Grundrechte seiner Bürger zu schützen.
Dennoch wäre es verfehlt, die Digitalisierung pauschal als Bedrohung abzulehnen. Die Protestbewegung „Fridays for Future" hat gezeigt, dass digitale Vernetzung junge Menschen politisch mobilisieren kann.
Entscheidend ist letztlich nicht die Technologie selbst, sondern der politische und gesellschaftliche Rahmen, in dem sie eingesetzt wird.
Soll Kunst die Welt verbessern, oder genügt es, dass sie schön ist? Diese Frage, so alt wie die Kunst selbst, gewinnt in Zeiten gesellschaftlicher Umbrüche eine besondere Dringlichkeit.
Die deutsche Kulturgeschichte ist reich an Beispielen für engagierte Kunst. Bertolt Brecht revolutionierte das Theater, indem er es zum Instrument politischer Aufklärung machte. Käthe Kollwitz stellte das Leid der Arbeiterklasse ins Zentrum ihres Schaffens. Die Gruppe 47 nutzte die Literatur, um die unbequeme Aufarbeitung der NS-Vergangenheit voranzutreiben.
Doch diese Tradition des Engagements steht heute unter Druck. Kritiker warnen, dass politische Kunst Gefahr laufe, in Propaganda umzuschlagen, wenn sie die ästhetische Qualität der politischen Botschaft opfere. Tatsächlich lehrt die Geschichte der DDR-Kultur, wohin eine vollständige Instrumentalisierung der Kunst führen kann: in künstlerische Sterilität.
Gleichwohl wäre es naiv, eine „unpolitische" Kunst zu fordern. Wie der Soziologe Pierre Bourdieu gezeigt hat, ist jede kulturelle Äußerung in Machtverhältnisse eingebettet. Auch die Entscheidung, keine politische Stellung zu beziehen, ist eine politische Entscheidung.
Im heutigen Deutschland manifestiert sich dieses Spannungsfeld besonders eindrucksvoll in der Debatte um die documenta und die Frage, wie Kunstfreiheit und gesellschaftliche Verantwortung miteinander vereinbart werden können.
Meines Erachtens liegt die Lösung nicht im Entweder-Oder, sondern in einem Sowohl-als-auch: Kunst, die berührt und verstört, die Fragen stellt, ohne einfache Antworten zu liefern – das ist Kunst, die ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht wird, ohne ihre ästhetische Autonomie preiszugeben.
Liebe Großmutter,
diesen Brief wirst du nie lesen. Du bist vor drei Jahren gestorben, an einem Dienstag im November, als der erste Schnee fiel – als hätte der Himmel beschlossen, die Welt in Weiß zu hüllen, um deinen Abschied weniger grau erscheinen zu lassen.
Ich schreibe dir, weil es Dinge gibt, die ich nie gesagt habe. Nicht aus Gleichgültigkeit, sondern aus jener eigentümlichen Scheu, die entsteht, wenn man die wichtigsten Worte für später aufhebt – und plötzlich kein Später mehr hat.
Du hast mir Deutsch beigebracht, nicht als Schulfach, sondern als lebendige Sprache. In deiner Küche in Hamburg, zwischen Apfelkuchen und Geschichten von einer Kindheit, die der Krieg durcheinandergewirbelt hatte. „Die Sprache", sagtest du einmal, „ist wie ein Haus. Man kann darin wohnen, auch wenn man die Heimat verloren hat."
Ich studiere jetzt Germanistik in Oslo. Manchmal, wenn ich Rilke lese oder Bachmann, höre ich deine Stimme zwischen den Zeilen. Du hättest das bestimmt übertrieben gefunden – du warst nie sentimental. Aber vielleicht ist es keine Sentimentalität, sondern eine Form der Dankbarkeit.
Was ich dir sagen wollte, ist eigentlich ganz einfach: Danke. Für die Sprache, für die Geschichten, für den Apfelkuchen. Für alles, was bleibt, wenn ein Mensch geht.
Deine Enkelin,
aus der Zukunft, die du dir für mich gewünscht hast